Reiseimpressionen: Winter in Nordtunesien Arbeitsbesuch von Dietmar Bell in Tabarka

3. Januar 2012:
Seit gestern Abend bin ich wieder in Tabarka im Norden Tunesiens. Ich bin dort Gast des Vereins ADAK, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Lebenssituation der Bevölkerung in der Region zu verbessern. Und nun geht es hier 3 Tage um die Beratung konkreter Projekte. Gestern bin ich von Abdelkah Khadaaoui am Flughafen in Tunis abgeholt worden und um 20:30 Uhr eingetroffen. Und es war ein sehr herzlicher Empfang unter Freunden. Das Wetter ist bei weitem nicht so schön wie im Sommer: Sehr wechselhaft, heute Morgen stürmisch und regnerisch. Aber darauf war ich ja eingestellt. Ich werde jetzt gleich im Hotel abgeholt, um die neuen Räume von ADAK zu besichtigen und heute Nachmittag werden dann alle Mitglieder von ADAK da sein, um mit mir die weitere Zusammenarbeit zu beraten. Freue mich sehr auf den Tag!

4. Januar:
Heute Morgen begann der Tag mit einem Besuch des Deputierten in den Räumen der Verwaltung von Tabarka. Unbeschreibliche Bilder: Wir mussten uns den Weg durch eine Menschenmenge „er-kämpfen”. Die Arbeitslosen müssen dort täglich ihre Unterstützung abholen. Das ist wirklich sehr bedrückend gewesen. In Deutschland eine mittlerweile undenkbare Situation. Der Deputierte empfing uns mehr als freundlich – ich kannte ihn bereits von unserem letzten Besuch. Er zeigte sich erfreut, dass aus dem 1. Besuch im Juni eine Zusammenarbeit mit ADAK entsteht – auch für ihn ein ermutigendes Signal der Unterstützung der tunesischen Gesellschaft nach der Revolution.
Anschließend hatten wir eine lange Diskussion mit dem Regionalbeauftragten für Tourismus – er sucht dringend ausländische Investoren für die ausgewiesene touristische Zone in Tabarka. Die liegt unmittelbar in Stadtnähe am Meer. Er hat die Vorstellung, weitere Hotelkomplexe zu errichten und so möglichst viele Touristen in die Region zu holen. Ich habe angeregt, über Projekte nachhaltiger touristischer Entwicklung nachzudenken, von der auch insbesondere die verarmte  Landbevölkerung profitieren kann. Ich glaube, dass gerade die Frage, wie auch die tunesische Bevölkerung von einer touristischen oder auch wirtschaftlichen Entwicklung profitieren kann, in den Mittelpunkt der Zukunftsstrategien gehört, die wir befördern wollen.
Anschließend Besuch des „Café des Andalouses“  – es gilt als eines der schönsten in ganz Tunesien. Danach die fantastischen Crevetten aus Tabarka probiert – sehr sehr gut! Und dabei gute Gespräche mit dem „Chef” von ADAK – diesmal ohne Übersetzung – Romdhane kein Englisch, ich kein Französisch, aber wir haben das prima hinbekommen. Am Nachmittag dann das Abschlussgespräch mit ADAK in ihrem Büro. Wir haben noch einmal sehr intensiv über konkrete Projekte gesprochen – da sind mittlerweile auch viele Ideen zusammen gekommen. Zum Abschied habe ich 2 der berühmten Pfeifen aus Tabarka bekommen und was mich sehr gerührt hat: Eine davon ist für die Familie meines verstorbenen Freundes und Kollegen Lutz Kremer. Das ist auch der Grund, weshalb ich bereits morgen abreise – ich will schlichtweg bei der Beerdigung meines langjährigen Freundes sein.
Heute Abend haben mich dann noch Amal und ihr Bruder im Hotel besucht und wir haben noch 1 1/2 Stunden über die aktuelle Situation und die daraus resultierenden Notwendigkeiten gesprochen. Alles in allem ein wunderbarer letzter Tag eines leider verkürzten Besuches in Tabarka.